Kleintierzucht ist individuelles Hobby

Donnerstag 23. Oktober 2003


Kleintierzucht ist individuelles Hobby

Kleintierzucht ist individuelles Hobby

Für Teilnahme an Zuchtschauen ist aber die Mitgliedschaft im Verein eine Voraussetzung

Von Hagen Graebner

Wenn auch die Kleintierzucht in den letzten Jahrzehnten ihre Bedeutung für die Eigenversorgung der Familien verloren hat, gibt es heute doch immer noch genügend Liebhaber, die sich mit der Zucht von Hühner, Enten, Tauben oder Kaninchen befassen. So auch die 88 Mitglieder des Geflügel-und Kaninchenzuchtverein Ingelheim 1903 e.V.

Der größte Teil der Mitglieder des Vereins hat sich den Hühnern verschrieben, von denen circa 20 Rassen gezüchtet werden, darunter absolute Raritäten wie die Weißen Sulmtaler, die sonst in Deutschland kaum noch vorhanden sind. Auch die Sparten Tauben und Kaninchen haben sehr aktive Mitglieder, die mit ihren Tieren auf den Ausstellungen der letzten Jahre sehr erfolgreich waren. In den Anlagen einzelner Züchter findet man auch Gänse, Enten und Ziergeflügel.

Die Haltung von Kleintieren ist in erster Linie ein individuelles Hobby, bei der die tägliche Pflege und Betreuung der eigenen Tiere im Vordergrund stehen. Will der Züchter dann allerdings seine Tiere auch auf Ausstellungen der Öffentlichkeit zeigen und durch anerkannte Preisrichter bewerten lassen, so ist die Mitgliedschaft in einem Verein unabdingbar.

Der Hauptteil der Vereinsarbeit besteht darin, die Mitglieder bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Zuchtbuchführer kümmern sich um die Aufzeichnung der Abstammung der Tiere in den Vereinszuchtbüchern und gewährleisten so, dass wirklich nur rassereine Tiere auf den Ausstellungen zu sehen sind. Ringwart und Tätowiermeister sorgen dafür, das jedes Tier seinen „Personalausweis" bekommt, Ringe beim Geflügel, beziehungsweise die Tätowierung im Ohr bei den Kaninchen. Der Verein koordiniert auch die jährlichen Impfaktionen gegen diverse Geflügel- und Kaninchenkrankheiten, die die wertvollen Zuchtbestände bedrohen.

Während die monatlichen Versammlungen in erster Linie organisatorische und züchterische Themen behandeln, steht das alljährliche Grillfest der Mitglieder und ihrer Familien im Zeichen der Geselligkeit.

An die Öffentlichkeit tritt der Geflügel- und Kaninchenzuchtverein Ingelheim vor al-' lern im Herbst, wenn Anfang November die traditionelle Kleintierschau stattfindet. An zwei Tagen präsentieren die Züchter dann ihre Tiere den Preisrichtern und der Öffentlichkeit.

Die Ingelheimer Ausstellung wurde bereits mehrmals, so auch dieses Jahr wieder, als Bezirksschau der Geflügelzüchter des Bezirksverbandes Rhein-Mosel-Nahe-Hunsrück des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter   ausgerichtet.

Natürlich zeigen die Ingelheimer Züchter ihre Tiere nicht nur auf heimischem Boden, sondern beschicken auch erfolgreich Ausstellungen in näherer und weiterer Umgebung, wie der zweite Platz sowohl der Kaninchenzüchter auf der letztjährigen Kreisschau als auch der Geflügelzüchter bei der Bezirksschau belegen. Daneben konnten verschiedene Mitglieder mit ihren Tieren auf unterschiedlichen Ausstellungen diverse Preise und Pokale gewinnen. Der heutige Vorsitzende Ralf Scheider errang mit seinen Weißen Australorps 1995 und 1998 den Titel eines Deutschen Meisters, dem Taubenzüchter Günter Klesy gelang das gleiche 1995 und 1996 mit Weißen Pommernköpfern.
Die Zukunft des Vereines liegt auch in der Jugendgruppe, die von Anton Dengler, dem langjährigen ersten Vorsitzendem betreut wird, acht jugendliche Züchter sind gegenwärtig im Verein angemeldet.

Der Geflügel- und Kaninchenzuchtverein Ingelheim 1903 kann mit Stolz auf seine wechselvolle, hundertjährige Geschichte zurückblicken. In Zukunft werden sich die Aufgaben der Kleintierzüchter weiter wandeln. Belange des Tierschutzes treten stärker in den Vordergrund, der Wunsch vieler Menschen nach Kontakt zur Natur und zu Tieren wächst, hier sehen die Kleintierzüchter eine ihrer wichtigsten Aufgaben für die Zukunft. Niemand wünscht sich, dass Kleintierhaltung wieder einmal zur existenziellen Notwendigkeit wird. Aufgaben der Züchter in den nächsten Jahrzehnten werden sein, die in den letzten etwa 150 Jahren entstandenen Kleintierrassen für zukünftige Generationen zu erhalten und damit auch einen wichtigen Teil der Alltagskultur früherer Generationen zu bewahren.

(Quelle: AZ.  23.10.2003)